09.11.2017

Vater der Lieder und Wittenbergisch Nachtigall – Dr. Martinus Luther und der Gesang

Die Musik ist eine Gabe und ein Geschenk Gottes; sie vertreibt den Teufel und macht die Menschen fröhlich“ – dieser Ausspruch Martin Luthers belegt wie kein anderer, welche Bedeutung die Musik zeitlebens für den Reformator hatte. (1)

Dass Musik „fröhlich macht“ – diese Wirkung hat Luther oft selbst erlebt und für sich genutzt. Kein Wunder, dass er schon Kindern musikalische Bildung ermöglichen wollte: „Kinder müssen [...] singen und die Musica mit der ganzen Mathematica lernen.“ (3)

Und was konnte für den Reformator näher liegen, als auch das Evangelium, die Frohe Botschaft, mit passenden Gemeindeliedern zu verkünden, Gläubige mit gesungenem Glaubenswort fröhlich zu machen? Solche Lieder selbst zu schreiben, da es keine offiziell erlaubten gab, war ein logischer weiterer Schritt für den begeisterten Sänger.

Aber auch als „Reformationsbeschleuniger“ dienen Luthers Lieder: Schneller als gelehrte, oft auch teure gedruckte Traktate gelangten sie gesungen von Ort zu Ort und vereinten die Menschen, die  Luthers Gedankengut schätzten.

Um das zu erreichen, brauchte Luther umfangreiches Können - als Sänger, als Musiker und als Komponist. Seine Zeitgenossen haben ihm für sein musikalisches Schaffen Ehrentitel verliehen, und bis heute ist er der am stärksten vertretene Lieddichter in evangelischen Gesangbüchern (3). Woher hatte Luther diese Fähigkeiten? Warum berühren seine Lieder damals so wie heute?

 

Musikalischer Werdegang

Eine wichtige Basis war die solide musikalische Grundausbildung, die Luther bereits als Schüler bekam. Als Jugendlicher besuchte er ab 1497 vier Jahre lang die Lateinschule in Eisenach. Zu seinen Fächern gehörte dabei Musiktheorie, und auch praktisch erweiterte Luther seine musikalischen Fähigkeiten auf vielfältige Weise: Er sang im „Chorus Musicus“ der Georgenkirche und mit anderen Schülern bei geselligen Treffen bei der Patrizierfamilie Cotta (3). Darüber hinaus war er Mitglied der „Eisenacher Kurrende“, einem Schüler-Chor, der gegen Bezahlung zu feierlichen Anlässen sang und von Haus zu Haus zog (3). Mit dieser Tätigkeit konnten die Schüler zu ihrem Lebensunterhalt beitragen - was für die Qualität des Gesanges spricht und dafür, dass der vierzehnjährige Luther zu diesem Zeitpunkt den Stimmbruch unbeschadet hinter sich gebracht hatte.

Die Freude am Singen und Musizieren hat den jungen Martin bereits damals offenbar nachhaltig „gepackt“: Während seines Studiums in Erfurt wählt er neben der Theologie auch die Fächer Musik und Kontrapunkt. Spätestens zu dieser Zeit beherrscht er auch die Laute meisterhaft – ein Kommilitone nennt ihn deswegen einen „gelehrten Musiker [und Philosophen]“ (3).

Dass auch Luthers Gesangstechnik und Stimme begeistert haben müssen, lassen schon seine Tätigkeiten als Schüler vermuten. Doch auch später dürfte Luther nicht allzu viele schiefe Töne gesungen haben: Luthers Ehrentitel  „Wittenbergisch Nachtigall“, den ihm „Meistersinger“ Hans Sachs bereits 1523 verlieh (2), beruhte zwar sicher mehr auf Luthers Werken als auf seiner (ja nicht überall hörbaren) Darbietung, verbreitete sich jedoch schnell und wurde ihm von niemandem aberkannt.

 

Werke für Kirche und Welt

Luthers Freude an der Musik, an Musizieren und Gesang prägt weiterhin nicht nur sein persönliches Leben, sondern trägt ebenso wie die Gedanken des Reformers zur Veränderung einer Religion wie einer ganzen Gesellschaft bei.

Luther schätzt die Bedeutung des Singens für gelebtes Christentum hoch ein. 1523 beklagt er, dass „allein der Chor der Pfaffen und [Latein]Schüler [in der Messe] singt“ und fordert „deutsche Gesänge, die das Volk unter der Messe singe“ (3).

Deutschsprachige – und darum verständliche – Kirchenlieder fördern nach Luthers Meinung das Verständnis von Christen für ihren Glauben, schenken Trost und Zuspruch, stärken das Gottvertrauen und den Zusammenhalt der Gläubigen (2,3). Dieses Potential will Luther nutzen und schreibt teils alleine, teils gemeinsam mit Freunden die Lieder, die er vermißt.

Diese Gesänge waren selbst ein Akt der Reformation – oder vielleicht treffender der Revolution, denn 1435 hatte das Konzil zu Basel das Singen von Liedern in der Landessprache in Gottesdiensten verboten. Und auch wenn Luthers Lieder für den Gebrauch im Gottesdienst gedacht waren: Viele von ihnen wirkten über die Gemeinden hinaus und wurden verstärkende Impulse der Reformation.

Luthers erstes überliefertes Lied ist jedoch keines für die Kirche. „Ein neues Lied wir heben an“ von 1523 entstand als Protestlied gegen die Verbrennung zweier reformatorisch gesinnter Augustinermönche am 1. Juli 1523 in Brüssel. Luther preist darin den Mut der jungen Männer, für ihre Überzeugung einzustehen, und schmäht ihre Gegner auf vielfache Weise (alte Feind, Sophisten, Thoren). Schon dieses Werk wurde auf Flugblättern verbreitet und gab wie viele seiner folgenden Lieder der Reformation Auftrieb (3).

Noch im selben Jahr schrieb Luther vier weitere Gesänge, die 1523 gemeinsam mit drei Liedern des Reformators Paul Speratus und einem unbekannten Komponisten als „Achtliederbuch“ erschienen. Im Folgejahr komponierte Luther bereits 24 Lieder, die mehrstimmig gesetzt in Johann Walters Chorgesangbuch erschienen. Wohl das bekannteste von ihnen ist „Aus tiefster Not schrei ich zu Dir“ nach Psalm 131.

Teils gemeinsam mit Freunden sorgt Luther auch in den Folgejahren dafür, dass seine Vorstellung von einem komplett verständlichen Gottesdienst wahr werden konnte: 1526 wurden in der Wittenberger „Deutschen Messe“ Gemeindelieder auf Deutsch gesungen, wie „Wir glauben all an einen Gott“. 1529 erschien Luthers von ihm so genanntes „Gemeindegesangbuch“, sein erstes geistliches Wittenberger Liederbuch.

 

Burg und Psalm - die gute Mär

Besonders bei seinen Kirchenliedern legte Luther viel Wert auf einen angemessenen Text. Die Gläubigen sollten durch das Singen ihren Glauben besser verstehen und Trost im Vertrauen auf Gott erfahren. Neben einfachen Bildern aus der damaligen Lebenswelt wie der „festen Burg“ oder dem „ein Reben voll Trauben fein“ (3) verwendete Luther darum gerne Psalmen als Grundlage seiner Werke. Sieben Psalmlieder sind von ihm überliefert, nach Psalm 12 zum Beispiel sein „Ach Gott, vom Himmel sieh darein“ oder das wohl bekannteste Reformationslied „Ein feste Burg ist unser Gott“ (Psalm 46) (3).

Biblische Stoffe, altkirchliche Hymnen oder überlieferte – auch weltliche - Gesänge bildeten weitere Grundlagen seiner Lieder (2). Das bekannte „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ aus dem Jahr 1535 fußt auf einem weltlichen Original, dessen Text Luther nur geringfügig änderte. Erst 1539 schrieb er eine eigene Melodie zu seinen Versen.

In dieser Version gehört das Lied seitdem bis heute fest zur Weihnachtszeit - ein Zeichen dafür, dass besonders dieses Lied all das enthält und vermag, was Luther mit einem Lied bewirken wollte: Freude zu verbreiten, Gottvertrauen zu schenken und Christen ihren Glauben nahe zu bringen. Sie ist gelungen, die gute Mär - eine Botschaft, die auch fast fünfhundert Jahre nach ihrer Vertonung alle erreicht.

 

Dieser Beitrag fußt auf vielen Online-Quellen, die in der Les-Bar als Linksammlung zum Nachlesen hinterlegt werden. Auf folgenden Quellen basiert dieser Text jedoch wesentlich (s. Fußnoten):

(1)

https://www.luther2017.de/de/reformation/und-kultur/musik/

(2)

https://www.luther2017.de/de/reformation/und-kultur/musik/martin-luther-vater-der-lieder/

(3)

https://www.luther2017.de/de/reformation/und-kultur/musik/protestlieder-und-psalmgesaenge-luther-als-musiker/

 

 

Guter Artikel!
Hans-Victor Reuter
14. Dezember 2017
Der Artikel ist sehr gut recherchiert und liest sich wunderbar
Noch mal ein ordentlicher
Christian Wolfram
13. Dezember 2017
... nachdem der letzte Test-Kommentar etwas merkwürdig aussah, möchte nun noch einmal einen etwas vernünftigeren abgeben. Leider kann ich zu dem Thema nichts weiter sagen, aber Luther hat uns alle schon beeinflusst ;)